Projekte und Projektkooperationen
Die Stiftung Demoskopie Allensbach ist bei aufwendigen Projekten auf die Kooperation mit anderen Stiftungen angewiesen. Diese Projekte werden in Zusammenarbeit mit deutschen und ausländischen Instituten und Universitäten angeregt und auch durchgeführt. Die wichtigsten dieser Projekte sind die Internationale Wertestudie, die Fortsetzung des politischen Panels und der Arbeitskreis "Medienrecht und Medienwirkungsforschung".
1. Die Internationale Wertestudie
Die Internationale Wertestudie ist ein in Ansatz und Umfang außergewöhnliches Forschungsprojekt der empirischen Sozialforschung. Sie erbringt grundlegende sozialwissenschaftliche Erkenntnisse über die Entwicklung der Werte in der Gesellschaft. In der Internationalen Wertestudie werden Einstellungen der Bevölkerung zu Fragen der Moral und Religion, zu Werten wie Arbeit, Familie und Nation erhoben. Diese Studie bildet eine Basis zu international vergleichenden Analysen gesellschaftlicher Langzeittrends. Damit dient sie der Erforschung des Zustandes und der Stabilität des demokratischen Gemeinwesens.
Die Idee der Studie entstand im August 1976 während einer internationalen Konferenz im niederländischen Arnheim, an der Elisabeth Noelle mitwirkte. In Zusammenarbeit mit dem spanisch-amerikanischen Sozialforscher Juan Linz (Yale University) entwickelte das Institut für Demoskopie Allensbach 1979 den Fragebogen. 1981 wurden die ersten Umfragen in den Kernländern der europäischen Gemeinschaft unter dem Dach der "European Value Systems Study Group" (EVSSG) durchgeführt und präsentiert. Über 40 Länder in fünf Kontinenten waren seither an der Studie beteiligt. Alle Umfragen basieren auf face-to-face-Befragungen.
Die Stiftung Demoskopie Allensbach beauftragte im Jahr 2001 das Institut für Demoskopie Allensbach, das auch 1990/1992 eine Befragung durchgeführt und koordiniert hatte, mit einer weiteren Befragung. Die ausländischen Partnerinstitutionen für die jüngsten Befragungen in Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten sind das britische Institut MORI, London, das französische Institut Français de Demoscopie, Paris, und das amerikanische Institut Roper ASW, Harrison, New York. Die Stiftung Demoskopie Allensbach erhielt für die Finanzierung dieser aktuellen Untersuchung eine maßgebliche Unterstützung von der Heinz Nixdorf Stiftung und der Robert Bosch Stiftung GmbH.
Die Ergebnisse der aktuellen Befragung der teilnehmenden Länder Deutschland, England, Frankreich und USA liegen vor. Sie sind mit den Ergebnissen der Wertestudien von 1981 und 1990/92 verglichen und in dem Berichtsband "Zeitenwende. Der Wertewandel heute" dargelegt worden. Die Studie ist in elf Tabellenbänden und einem Berichtsband dokumentiert. Der Text des aktuellen Berichtes umfaßt etwa 90 Seiten und kann gegen eine Schutzgebühr von 20,00 Euro (inklusive Versand) über die Stiftung Demoskopie Allensbach bezogen werden. Inhaltsverzeichnis und Einleitung der Studie finden Sie hier als pdf-Dokument zum Download.
Unter den zahlreichen Entdeckungen verdient besondere Aufmerksamkeit die Verringerung der Generationskluft in Deutschland. Die Generationen sind sich in ihren Moralvorstellungen und Ansichten unter anderem zur Politik, in den Einstellungen zur Religion, zur Sexualität und gegenüber Menschen anderer Kulturen nähergekommen. Noch 1990 hatte Westdeutschland mit seiner außerordentlich starken Generationskluft im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern und den USA eine Sonderstellung eingenommen. Heute ist das nicht mehr der Fall.
Ein anderes Thema ist die psychologische Nähe zwischen Europäern und Amerikanern, vor allem die emotionale Ähnlichkeit zwischen Deutschen und Amerikanern. Diese Ähnlichkeit wurde zuerst in der Wertestudie von 1981 erkannt, 1990/92 differenziert und erneut in der aktuellen Studie bestätigt. Andere Themen, die in der aktuellen Befragung behandelt werden, sind der Zusammenhang von Freiheit und Glück, neue Strukturen des Glaubens und der Religionen, Untersuchungen über den Stellenwert der Familie und das Verhältnis zur eigenen Nationalität.
2. Fortsetzung des politischen Panels
Die Stiftung Demoskopie Allensbach fördert die Erarbeitung und Dokumentation der Methoden zur politischen Wahlforschung. Sie hat sich an der Forschung zu den Bundestagswahlen 1998 und 2002 finanziell beteiligt und stellte zusammen mit der Heinz Nixdorf Stiftung den Großteil der dafür nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung.
Die Panel-Forschung ist eine der wichtigsten und fruchtbarsten Methoden der Umfrageforschung. Eine repräsentative Gruppe von Personen wird über einen längeren Zeitraum um ihre Meinung gebeten. Diese Methode wurde im Zuge der Wahlforschung zur amerikanischen Präsidentschaftswahl des Jahres 1940 von dem österreichisch-amerikanischen Soziologen Paul F. Lazarsfeld (1901-1976) eingeführt. Im Juli 1969 hat das Institut für Demoskopie Allensbach das sogenannte "politische Panel" für das ZDF unter dem Titel "Wähler und Meinung - nicht geheim" für Deutschland aufgebaut. Das politische Panel wurde seither in ungefähr vierzig Befragungswellen im Rahmen der Demokratie- und Wahlforschung befragt. Es besteht zur Zeit aus rund 1.500 Personen.
Die Ergebnisse der Befragungen, mit denen das IfD beauftragt wurde, und die Ergebnisse einer Medieninhaltsanalyse zur Bundestagswahl 1998, die vom Institut für Publizistik der Universität Mainz und dem Institut für Kommunikationswissenschaft der Technischen Universität Dresden durchgeführt wurde, sind in dem Band "KAMPA. Meinungsklima und Medienwirkung im Bundestagswahlkampf 1998" veröffentlicht worden, herausgegeben von Elisabeth Noelle-Neumann, Hans Mathias Kepplinger und Wolfgang Donsbach (Alber-Reihe Kommunikation in Verbindung mit dem Verlag Herder GmbH, Freiburg 1999).
Das Fortsetzungsprojekt über die Wahlforschung zur Bundestagswahl 2002 orientiert sich an dem Vorgängerprojekt, die beteiligten Institute sind dieselben. Das politische Panel wurde in drei Wellen befragt, die Rolle der Medien in der Bundestagswahl 2002 untersucht. Dieses Vorhaben wird erneut in erheblichem Umfang von der Heinz Nixdorf Stiftung gefördert. Eine Publikation wird zur Zeit erarbeitet und erscheint im Herbst 2003.
3. Arbeitskreis "Medienrecht und Medienwirkungsforschung"
Der Arbeitskreis "Medienrecht und Medienwirkungsforschung" wurde 1997 von der Stiftung Demoskopie Allensbach gegründet und tagt in den Räumen der Stiftung in Konstanz zu den Themen Medienfreiheit, Medienrecht, Medienwirkung, Persönlichkeitsschutz, Presserecht und Öffentliche Meinung. Er setzt sich aus Juristen aus dem Fachgebiet des Öffentlichen Rechts und aus Kommunikationswissenschaftlern zusammen.
Im Herbst 1999 veranstaltete der Arbeitskreis der Stiftung Demoskopie Allensbach gemeinsam mit der Stiftung Gesellschaft für Rechtspolitik, Trier, das Symposium der "35. Bitburger Gespräche". Beide Stiftungen wurden dabei finanziell maßgeblich von der Robert Bosch Stiftung GmbH unterstützt. Die Bitburger Gespräche stehen unter der Schirmherrschaft des Bundesministers der Justiz. Das Thema der Sitzung lautete "Medienfreiheit, Medienwirkung, Persönlichkeitsschutz". Das Thema der vergangenen Sitzung des Arbeitskreises lautete "Freiheitsschutz und Sicherheitsbedürfnis" und fand am 5. bis 6. Juni 2002 in Konstanz statt.
|
|
Foto: © Prof. Dr. iur. Wolfgang Knies
Von links nach rechts: Univ. Prof. Dr. Dr. h.c. Elisabeth Noelle, Dr. iur. h.c. Otto Theisen, Prof. Dr. Rolf Stürner, Prof. Dr. Michael Kunczik, Prof. Dr. Dres. h.c. Bernd Rüthers, hintere Reihe verdeckt: Prof. Dr. Hans Mathias Kepplinger, während einer Tagung des Arbeitskreises "Medienrecht und Medienwirkungsforschung" am 14. und 15. November 1997 in Konstanz, Hermann-Hesse-Weg 16. |
|
|
Foto: © Prof. Dr. iur. Wolfgang Knies
Dr. iur. h.c. Otto Theisen, Vorsitzender der Gesellschaft für Rechtspolitik e.V. während einer Tagung des Arbeitskreises "Medienrecht und Medienwirkungsforschung" am 14. und 15. November 1997 in Konstanz, Hermann-Hesse-Weg 16. |
Stiftungszweck | Wissenschaft und Forschung | Organe | HOME
|